On Location: Musikvideodreh mit Einar Stenseng

By Alex Fuchs

Zusammen mit einem befreundeten Hamburger Kollegen entstand die Idee eine Musikvideoproduktion auf die Beine zu stellen (www.visual-bastarts.de). Doch dafür brauchten wir zunächst Referenzclips, die wir komplett selbst produzieren mussten, damit wir potentiellen Kunden zeigen konnten, dass wir das nötige Know How besitzen, um so was durchzuziehen. Wir brauchten also eine Band oder einen Künstler, ein Konzept und ein minimales Budget, mit dem wir das maximale an Effekt rausholen konnten. Ein Künstler war schnell gefunden: Einar Stenseng, ein junger norwegischer Sing/Songwriter aus Oslo, dessen Debutalbum „Einar Stenseng“ 2006 bei Big Dipper Records in Oslo erschienen ist. Wie es der Zufall so will, spielte Einar Ende Mai 2007 auf dem „Orange Blossom Festival“ in Beverungen, dem alljährlichen Event von Glitterhouse Records. Wir hatten also knappe 3 Wochen Zeit uns vorzubereiten.

Von Anfang an war klar, dass wir auf HDV mit Mini35-Adapter (400er Serie) von P+S mit PL-Mount drehen würden. Eine befreundete Produktionsfirma stellte uns freundlicherweise kostenlos eine Sony Z1 zur Verfügung. Als Optiken besorgte ich einen High Speed Satz Zeiss Optiken (18/T1.3, 50/T.1.3, 80/T1.3, 100Macro/T.2.0). Da es eigentlich kein Budget gab, war von Anfang an klar, dass ich mich lichttechnisch auf ein Minimum beschränken würde. Hinzu kam, dass die Location (Cafe Kreuzberg, Berlin) nur alte marode Stromleitungen hatte. Da es kein Budget für einen Generator gab, kam ich auf eine verwegenen Idee. Kurz zuvor hatte ich mit der Z1, einem Dedlight Koffer und zwei 1KW Softboxen einen Musikclip für Amos (www.playback-payback.com) gedreht und war selbst überrascht, wie weit man mit dieser absoluten Minimumausstattung bei Video kommen konnte. Da ich außerdem noch als Avid Editor mein Geld verdiene, wusste ich auch, in wie weit ich das Material nach dem Shooting treten konnte, bis es nur noch ein verrauschtes Bild gab. Ich kalkulierte also alle meine Spielräume bei der Planung mit ein, so dass, sollte etwas schief gehen, kein Spielraum mehr vorhanden sein würde, den ich nutzen konnte, da ich am Limit drehte (meint offne Linse, offene Videoblende + kalkulierte Gamma/Gainverstärkung in der Post). Als Lichtsetup wählte ich eine 4bank 4ft Kinoflo (Kunstlicht), einen Dedolight-Koffer (4×100W) und einen selbstgebastelten China-Balloon (200W) sowie ein paar Fahnen und Silberfische. Sollte ich am Set feststellen, dass ich nicht genug Licht hatte, konnte ich spontan auf 3 1KW Stufenlinsen von einem Freund zurückgreifen, die ich allerdings nicht brauchte. Gedreht wurde also im „Cafe Kreuzberg“ in Berlin, dass uns der Besitzer freundlicherweise auch kostenlos zur Verfügung stellte. Da man mit so wenig Licht nicht wirklich viel „zaubern“ kann, war auch schnell eine Konzeption für das Video gefunden: Ein reines Performancevideo sollte es werden, zweigeteilt, ein Teil würde im „Cafe Kreuzberg“ entstehen, ein zweiter Teil würde nachts im Auto stattfinden (dafür hatte ich zwei 12V Miniflos und eine Packung Alufolie, mit der ich das Autodach verziert habe, was dann als Bounce fungierte). Außerdem würde das Video aus vielen Nahaufnahmen bestehen, dafür reichte das Licht auf jeden Fall aus. Mindestens eine statische Totale war angedacht, sodass wir den Künstler einmal im Vordergrund und einmal im Hintergrund positioniert haben, damit wir im Schnitt einen kleinen Blendentrick machen konnten.

Wir stellten ein minimales Team auf, was aus einem Beleuchter (Christian Mansmann), einem Kameraassistenten (Frederik Schulz), einer Produktionsassistentin (Antonia Grönau), einem Standfotographen (Claudius Grimme) für die Promotion unserer Website und einem Fahrer (Jan Peter Niemann) bestand. Hinzu kamen mein Hamburger Kollege (Christoph Harder) und ich selbst. Als ich meinem Beleuchter die Equipmentliste zeigte, war dieser (verständlicherweise) sehr skeptisch. Der Dreh ging dann schnell vonstatten. Wir waren 2 Stunden vor unserem angesetzten Drehschluss fertig. Der Dreh an sich war ein ständiges Hin- und Hergerücke der Lampen, damit wir genügend Licht für die Schärfe bekamen – doch am Ende ging alles doch irgendwie. Manchmal verwendete ich sogar ¼ WD vor den Lampen.

Das fertige Video von EINAR STENSENG – LEAVING JERUSALEM gibt es bei YouTube oder MySpace zu sehen. Den Link gibt es oben rechts in der Blogroll.

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Screenshot vom Looktest mit dem wir dann fürs finale Grading zum Coloristen gegangen sind. Angestrebt war ein “Saloonlook”, wie etwa aus 60er Jahre Western. Gegenüber dem Originalmaterial haben wir ca. 20% entsättigt, zusätzlich noch Rot rausgezogen und die Highlights verstärkt, um eventuelle Hautunreinheiten zu “verschmieren”. Beim finalen Grading wurden dann wieder den Graubereichen im Hintergrund die Schwärzen hinzugefügt.

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