Das Herstellen eines „Filmlooks“ mit Video

By Alex Fuchs

Teil 1: Worum geht es eigentlich?

Das Problem

Der (semi-)professionelle Digitalfilm versucht in der Regel den konventionellen Film zu kopieren bzw. sich ihm ästhetisch anzunähern. Ambitionierte (Kurz-)Filmprojekte, die auf Video produziert werden, versuchen in der Regel Video wie Film aussehen zu lassen. Ein sinnloses Unterfangen, da Video in der Regel einen viel geringeren Kontrastumfang wie fotochemische Filmmaterialien hat. Aber es gibt diverse Möglichkeiten Video „filmmäßiger“ aussehen zu lassen.

Um sich dem Thema anzunähern muss man sich zunächst die Frage stellen, was denn eigentlich diesen so genannten Filmlook ausmacht. Hier spielen zwei Punkte eine wichtige Rolle: erstens unsere natürlichen Sehgewohnheiten und zweitens natürlich auch die physikalischen Eigenschaften von fotochemischen Filmmaterialien – im Gegensatz zu Video.

Zunächst einmal wollen wir die wahrnehmungspsychologische Seite näher beleuchten. Unsere filmischen Sehgewohnheiten sind maßgeblich von filmgeschichtlichen Werken geprägt, die auf fotochemischen Filmmaterialien produziert worden sind und werden. In unserem Kulturkreis ist der Anteil von ausländischen Spielfilmen im Kino wie im Fernsehen in erster Linie von amerikanischen Spielfilmen geprägt, die in aller Regel auf 35mm produziert sind.

Grundsätzlich lassen sich die Bemühungen einen „Filmlook“ herzustellen in zwei große Bereiche teilen: erstens die Möglichkeiten bei der Produktion und zweitens die Möglichkeiten in der Postproduktion. Dabei ist es ratsam beide Bereiche optimal zu ergänzen, denn nur aus dem Zusammenspiel beider Bereiche ergibt sich ein ordentlicher „Filmlook“.

Bevor man jedoch einen „Filmlook“ herstellen will, muss man sich erst einmal fragen, was denn nun eigentlich die Unterschiede zwischen Film und Video sind und wie man Video gegebenenfalls manipulieren kann, um sich an einen filmähnlichen Look annähern zu können.

Kontrast- vs. Blendenumfang

Das offensichtlichste Problem habe ich bereits angesprochen: Video hat einen viel geringeren Kontrastumfang. Im Gegensatz zu Film (Negativfilm kann bis zu 11 Blenden Kontrastumfang haben) hat Video (je nach Kamera und Drehformat) in der Regel um 3 Blenden Kontrastumfang. 2/3’’ Chip HD Kameras können bis zu 8 oder 9 Blenden Kontrastumfang haben. In der Postproduktion sprechen Coloristen davon, dass Video etwa ein Kontrastverhältnis von 32:1 gegenüber Film von 1000:1 hat.

Schärfentiefe

Ein weiteres Problem ist bei Videokameras technisch bedingt durch dessen Bauart. Die Schärfentiefe setzt sich aus Blendenöffnung, Brennweite des Objektivs, die abhängig zum Aufnahmeformat ist, und dem Abbildungsmaßstab zusammen.

Die Größe des 3CCD-Chips entscheidet über das Tiefenschärfeverhalten der Kamera. In der optischen Theorie entscheidet maßgeblich der Abbildungsmaßstab bzw. die Größe des Bildfensters einer Kamera über dessen Tiefenschärfeverhalten. Je größer der Abbildungsmaßstab, umso geringer ist die Tiefenschärfe, je kleiner der Abbildungsmaßstab, umso mehr Tiefenschärfe. Da die Chips viel kleiner sind als ein Filmbild, produziert Video in den meisten Fällen diesen „videomäßigen Soapcharakter“ – einen großen Tiefenschärfebereich. Da Videokameras zudem das Bildsignal elektronisch umwandeln– im Gegensatz zu fotochemischen Reaktionen – erscheinen die Übergänge von der Schärfe- in die Unschärfeebene viel härter. Ausgelassen sollen im weiteren Verlauf Vollchipkameras werden wie die ARRI D20 o.ä. High-End Profi HD-Kameras wie etwa die Viper Filmstream Kamera von Thompson, da diese schon von Haus aus einen „Filmlook“ liefern und eine unglaublich teure Postproduktion nach sich ziehen.

Auflösung

Und zu guter Letzt sei noch kurz auf die Auflösung hingewiesen. Ein Produzent hat mal in einem anderen Zusammenhang gesagt „Wichtig ist das, was hinten raus kommt“ und das ist bei Video 720×576 Pixel, bei HDV 1440×1080 Pixel, bei HD 1980×1440 Pixel und bei Film viel viel mehr (bitte mal googlen wen es interessiert, ich kann nicht alles im Kopf haben). Die höhere Auflösung bei Film wirkt sich selbstverständlich direkt auf die schon angesprochenen weicheren Übergänge von der Schärfe- zur Unschärfeebene aus und verschafft uns (runtergerechnet auf den Video/Pal-Standard) einen schärferen Gesamtbildeindruck.

Im Teil 2 wird es zunächst mal um Adapter und deren Prinzipien gehen.

In Teil 3 wird über Kadrierung, Kaschierungen und Kamerabewegungen bzw. Kamerastile gesprochen werden.

3 Antworten zu „Das Herstellen eines „Filmlooks“ mit Video“

  1. tzanhzsu sagt:

    Laut Wikipedia hat 2K 35mm Fullscreen (über 95% aller ausbelichteten Kinoproduktionen) 2048 X 1536, also nicht soo viel mehr. bei Cinemascope sogar 1806 X 1530, also weniger Pixel in der Breite als HD.

  2. Alex Fuchs sagt:

    Ich zweifle die Scope Werte an, da Scope ja ein anamorphotisches Format ist und auf ein „normales“ 4:3 35mm Negativ verzerrt wird und den Gesetzen der Logik folgend die gleiche Auflösung wie 35mm Film haben müßte. Der 2K Wert mag richtig sein, aber die tatsächliche Auflösung des 35mm Filmnegativs ist um ein Vielfaches höher. Ich kann auch 4K oder 6K abtasten lassen und erhalte ein besseres Ergebnis als bei 2K, da die tatsächliche Auflösung des Negativs höher ist. Bei digitalen Formaten sind die Pixelwerte die tatsächlichen Bildauflösungen, bei Film allerdings hat man sich auf diese K Auflösungen geeinigt, weil das menschliche Auge ab 4K keinen nenneswerten Unterschied mehr sieht, obwohl dieser rein physikalisch auf dem Negativ da ist.

  3. Schärfentiefe sagt:

    Schärfentiefe…

    … Es gibt verschiedene Anwendungen der Schärfentiefe ……

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