Das Herstellen eines „Filmlooks“ mit Video

By Alex Fuchs

Teil 2: Die 35mm Tiefenschärfe-Adapter

35mm-Adapter

Mittlerweile gibt es eine ganze Schar von 35mm-Adaptern für Video-Kameras, die alle auf die gleiche Idee zurückzuführen sind. Wenn man digital aufgrund der bauartbedingten Chipgröße nicht die Tiefenschärfeverhältnisse wie bei 35mm Film erreichen kann, geht man einen analogen Umweg und versucht so die digitale Technik durch einen analogen Trick zu umgehen. Man baut also einen Adapter, an dem man vorne die Möglichkeit besitzt 35mm Optiken anzubringen, die dann ein volles 35mm Bild auf einer Mattscheibe aufprojiziert. Dieses aufprojizierte Bild wird von einer Digitalkamera abgefilmt. Das projizierte Mattscheibenbild hat die vollen Tiefenschärfeeigenschaften von den jeweils aufgesetzten Optiken und durch die Mattscheibe weißt es auch eine gewisse Körnung auf. Ein einfaches Prinzip mit einer großen Wirkung – es ist möglich Unschärfen auch bei Video zu generieren, die annähernd die gleichen sind wie bei 35mm Film.

Die Unterschiede

Es haben sich zurzeit zwei bzw. drei unterschiedliche Verfahren durchgesetzt. Die wohl bekannteste und professionellste Variante ist die von P+S Technik entwickelte Mini35/Pro35-Variante. Das Bild wird auf eine Mattscheibe projiziert, die – um das Mattscheibenkorn zu verringern bzw. ein filmähnliches (flimmerndes) Korn zu erzeugen – rotiert. Seit kurzem gibt es eine Version, die sich Mini35 Compact bzw. in der Pro-Variante Pro35 Mk II nennt und nicht mehr soviel Licht schluckt, wie die Vorgängermodelle. P+S besitzt in Deutschland das Patent auf derlei Adapter mit rotierenden Mattscheiben, deshalb sind sie in Deutschland die einzigen Hersteller dieser Adapter. Der M2-Adapter des amerikanischen Anbieters Redrock basiert auf dem gleichen Prinzip, darf aber in Deutschland aufgrund des deutschen Patentrechts nicht eingeführt werden. Der Redrock Adapter ist in der qualitativen Verarbeitung auch in keinem Fall mit dem P+S-Adapter zu vergleichen, allerdings kostet er auch nur einen Bruchteil. P+S Technik ist meines Wissens der einzige Hersteller, der in der Pro-Variante auch einen 35mm-Adapter für 2/3’’ Chip Kameras anbietet.

Die Stuttgarter Firma Kinomatik hat ihrerseits einen Adapter entwickelt, der auf einer statischen Mattscheibe basiert und nennt ihr System Movietube und steht qualitativ in direkter Konkurrenz zum Mini35-System.

Ein drittes Konzept beruht auf einer vibrierenden (?!) Mattscheibe und wird von einem amerikanischen Hersteller unter der Bezeichnung Letus35FE vertrieben. Dieser Adapter kostet um die 700$.

Es gibt allerdings noch zahlreiche andere semiprofessionelle Adaptervarianten, die bekanntesten sind neben den bereits erwähnten zudem noch SGPro (UK), Go35Pro (USA), G35 (USA) und zahlreiche andere (gerne könnt Ihr noch ein paar aufzählen).

Zu erwähnen wäre noch die DV35K-Eigenbauvariante des Kameramanns Matthias Fleischer, die Grundlage für zahlreiche Nachbauversuche gewesen ist. Nachzulesen unter http://www.matthiasfleischer.com/DV35K_d.html. Eine dieser Nachbauvarianten findet Ihr auch unter http://www.idfilm.de .

Die Nachteile

Auf die Vorteile der Adapter möchte ich nicht näher eingehen, da diese klar auf der Hand liegen. Wir bekommen die Tiefenschärfenverhältnisse, die wir wollen.

Im Folgenden sollen die Nachteile aufgezeigt werden, die das Arbeiten mit einem Adapter mit sich bringt. Das Wort Nachteil ist dabei wertfrei zu betrachten und in Bezug zum Arbeiten mit fotochemischem Film zu sehen:

Grundsätzlich erhalten wir durch den Adapter ein Bild mit geringer Tiefenschärfe, doch die tatsächliche Auflösung meiner Kamera/Formats erhöhe ich natürlich nicht.

Die Mattscheibe (egal ob rotierend oder nicht) erzeugt durch ihr Korn ein Grundrauschen, welches sich besonders störend in den Schwärzen zeigt. Für eine DVD oder TV-Auswertung ist dieser Faktor zu vernachlässigen, da ich die rauschenden Schwärzen beim Grading einfach noch dunkler ziehen kann. Allerdings sollte man dann schon am Set so leuchten. Für eine Auswertung auf Film (und eine viel größere Leinwand) sollte man sich gut überlegen, ob man dieses Rauschen möchte oder nicht. Da jedes digitale Format in irgendeiner Form mit Kompression zu tun hat, verstärkt sich das Rauschen je nachdem noch.

Nachjustieren erforderlich (Backfocuskontrolle/Auflagemaßjustierung)

„Weiches“ Videobild

Totalen sehen trotzdem nach Video aus

1-2 Blenden Lichtverlust (je nachdem ob man durch zwei Optiken geht oder nur durch eine)

Der Kontrast wird aufgrund des Lichtverlusts herabgesetzt (abgeschwächte Farbwiedergabe).

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