Das Herstellen eines „Filmlooks“ mit Video

By Alex Fuchs

Teil 3: Möglichkeiten der Bildgestaltung (ohne Adapter)

Es gibt auch Möglichkeiten ohne einen 35mm-Adapter einen „Filmlook“ zu kreieren bzw. die unten genannten Möglichkeiten zu kombinieren.

Zoomen

Zum einen besteht die Möglichkeit – gerade bei Außenaufnahmen oder weitläufigen Sets – sich mit der Kamera relativ weit zu entfernen und ins Bild zu Zoomen, bis man den maximalen Unschärfebereich erreicht hat. Eine Überlegung sollte man allerdings daran verschwenden, dass dadurch mein Schärfebereich mitunter nur ein paar Zentimeter beträgt und man eventuell – auch gerade durch die meist schlecht zu handhabenden elektronischen Schärfeeinrichtungen – in Teufels Küche kommt, wenn sich die Schauspieler/innen über relativ große Strecken im Raum bewegen. Schwenks oder Fahrten können da schon mal zur Tortur werden – aber irgendwie geht es immer. Die meisten Zoomobjektive von 1/3’’ CCD Kameras haben auch mit dem Problem des Zoomramping zu kämpfen, d.h. wir haben keinen durchgängigen T-Stop, sondern verlieren ab einer gewissen Entfernung im Zoombereich zudem (meist erheblich) Licht, was eventuell nachgeleuchtet werden muss.

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Original und Finish: Weit weg und reingezoomt außen nur mit vorhandenem Sonnenlicht mit der JVC GY-DV 500. Nachträglich auf Fake-Scope gekascht und farbkorrigiert. Die Schärfeübergänge von Vordergrund zum Hintergrund sind „abrupt“.

Nebel

Durch den Einsatz von gezieltem Nebel (am besten Hazer) im Hintergrund lassen sich leichte Unschärfen erreichen. Doch Obacht: Zu viel Nebel führt irgendwann zum völligen Verlust der Schärfe. Ein anderer Nachteil ist, dass der Nebel meist nur schwer zu kontrollieren ist – gerade was die Anschlüsse betrifft – und man mitunter in geschlossenen Räumen Zeit zum Lüften einplanen muss. Durch den Nebel werden auch die Farbkontraste heruntergesetzt.

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Orignal und Finish: Sony Z1 ohne Adapter und viel Nebel vor weißem Hintergrund mit leichtem Lens Flare. Das fertige Video wurde noch nach pink korrigiert und von 16:9 auf 2,35:1 abgekascht. Der Nebel im Vordergrund fängt schon an, eine leichte Unschärfe zu produzieren und die Farben zu entsättigen.

Kamerawahl

Da die Größe des Chips entscheidend auf unsere Tiefenschärfe einwirkt, kann man auch gleich mit einer Kamera mit größerem Chip drehen, z.B. ½’’ Chip Kameras (z.B. JVC GY-DV 500/MiniDV o.ä.).

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Original und Finish: Over Shoulder leicht reingegezoomt und wieder den Fake-Scope drübergelegt. Vordergrund und Hintergrund sind leicht unscharf.

Kaschierung

Man sollte sich vor der Produktion über das endgültige Seitenverhältnis klar sein und dementsprechend kadrieren. Alle HDV oder HD Kameras produzieren nativ sowieso nur noch in 16:9 (da die Chips auf 16:9 ausgelegt sind, sollte man es bei diesen Cams vermeiden im 4:3 Modus zu drehen, da dann der Chip nicht voll ausgenutzt wird). Oft kann das Aufsetzen eines Kaschs (z.B. 1,85:1 oder 2,35:1) wahre Wunder wirken.

Von Haus aus sind wir es gewohnt Filme, die im Fernsehen mit breiten schwarzen Balken ausgestrahlt werden mit einem teuren Budget zu verbinden. Zumal ergibt sich durch eine Kaschierung ein anderes Seitenverhältnis, was Auswirkungen auf die Proportionen der Objekte im Bild hat. Ist ein Objekt im Close Up im 4:3 Modus beispielsweise bildfüllend, ist bei einer 2,35:1 Kaschierung im Close Up etwa zwei Drittel des Bildes „frei“.

Wichtig ist – gerade am Anfang – das man sich den Monitor am Set oder den Sucher auf sein Endformat abklebt, wenn man Probleme hat es gleich mit dem Auge abschätzen zu können.

Man sollte sich bei der Wahl des Seitenverhältnisses auch schon über die Auswertung Gedanken machen. Wenn es eine Filmkopie geben wird, ist es fraglich, ob eine Scope-Kaschierung Sinn macht, da man bei 4:3 auf 2,35:1 fünfzig Prozent des Bildes und somit die halbe Auflösung wegschneidet. Bei der Projektion im Kino werden die Balken ja nicht gezeigt, sondern soweit ins Bild gezoomt bis es die Leinwand füllt. Bei einer Beamer-Projektion ist es vielleicht egal.

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Original und Finish: Vorher langweilige Totale ohne Unschärfe, durch Kaschierung auf 2,35:1 und Farbkorrektur schon ein bisschen spannender. Kamera JVC GY-DV 500.

Kadrierung

Die Kadrierung bzw. die Wahl des Bildausschnitts sollte in der Regel den fotographischen Standards entsprechen, dann macht man nichts falsch. Was allerdings ein gutes Bild ist, ist mehr eine philosophische wie ästhetische Frage und die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Es kann allerdings nichts schaden, wenn man zu Beginn seiner Karriere viele Filme guckt (am Besten ohne Ton) und sich gewisse Standards „ansieht“ und ausprobiert. Solange man so kadriert wie die großen Vorbilder, wird es auch immer groß aussehen. Natürlich soll man nicht nur kopieren, aber irgendwie findet man seinen eigenen Stil irgendwann schon selbst. Zooms sollte man nach Möglichkeit nur dann einsetzen, wenn sie inhaltlich Sinn machen, sonst können sie oft „billig“ wirken.

Licht & Schatten

Natürlich sollte man am Set professionell Licht setzen, aber das versteht sich von selbst.

Kamerastil und Kamerabewegung

Die Wahl des richtigen Kamerastils (z.B. Handkamera, statisch, Steadycam etc.) für die jeweilige Szene bzw. den gesamten Film ist äußerst wichtig und man sollte schon einiges an Zeit investieren sich hierüber mit dem/r Regisseur/in austauschen. Oft entsteht schon beim Lesen des Drehbuchs eine konkrete Idee den Kamerastil betreffend. Da man Videobilder meist mit verwackelter Handkamera und unkontrollierten Zooms verbindet, sollte man dem entgegenwirken, indem man ruhige Dollyfahrten (z.B. Zu-, Rück- oder Parallelfahrten, am besten mit Vorbeifahrten an Objekten im Vordergrund) mit großer Tiefenwirkung erzeugt, eine Jib- oder Kranbewegung macht oder auch mal mit einem Steadycam-System arbeitet. Sollte aus Budgetgründen so was nicht drin sein, können auch gute An- und Abschwenks hilfreich sein. Zooms sollte man nach Möglichkeit nur dann einsetzen, wenn sie inhaltlich Sinn machen, sonst können sie oft „billig“ wirken. Da eine präzise Steuerung der Zooms per Wippe meistens nicht möglich ist, kann man auch ganz die Finger davon lassen.

Szenebild & Kostüme

Ein oft unterschätzter aber maßgeblicher Faktor bei der Kreation des projekteigenen Filmlooks ist das Szenebild/die Ausstattung und die Wahl der Kostüme. Man sollte sich einen Looktable machen und diesen dann mit den einzelnen Departments absprechen. Meiner Meinung nach viel wichtiger als Unschärfen, da das Szenenbild, die Kostüme und das gesetzte Licht neben dem Schauspiel die wohl wichtigsten Faktoren sind, die die Stimmung einer Szene und deren Einfluss auf den Zuschauer hat.

Color Grading

Am Ende sollte natürlich auch noch das finale Color Grading nicht fehlen, um das finale Aussehen des Films so herzustellen, wie es schon in der Preproduction festgelegt worden ist.

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