Duell (USA 1971)

Juli 27, 2007 von Alex Fuchs

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Fast and Furious –

Und Spielberg rockt doch

Kurz zu den Fakten: Spielberg drehte seinen ersten Langfilm 1971 an nur 13 Tagen für den amerikanischen Fernsehsender ABC. Durch den großen Erfolg des Films kam der Streifen 1973 in Europa in die Kinos. Die Fernsehfassung, die ursprünglich 74 Minuten lang war, wurde mit Material aus einem zweitägigen Nachdreh zu einem echten 90 Minüter aufgestockt. So wurde der Film um das Telefonat mit der Ehefrau des Protagonisten, die Szene am Bahnübergang und die Begegnung mit dem Schulbus nachgedreht. Aber nun zum Film.

            Auch Legenden haben einmal mit dem Backen von kleinen Brötchen angefangen oder – besser gesprochen – auch die Großen kochen nur mit Wasser. Der Auftakt zu Spielbergs Karriere ist genauso simpel wie er genial ist. Ein Mann ist auf der Rückreise zu seiner Familie. Seine Reise führt ihn durch einen wenig besiedelten Teil der Vereinigten Staaten. Im Niemandsland taucht plötzlich ein Truck auf, der den Protagonisten nach dem Überholen konsequent bis zum Showdown verfolgt. Eine alte Produzentenweisheit besagt, dass Filme, die man in wenigen Sätzen zusammenfassen kann, ohne deren Inhalt zu verstümmeln, ein Erfolg sein werden. Wie wahr.

            Jetzt könnten sich einige Fragen: Und das soll spannend sein? 90 Minuten lang? Genau. Es ist 90 Minuten lang spannend. Und das durch einen Kunstgriff. Der Fahrer des Trucks und somit auch dessen Motivationen bleiben völlig im Dunkeln. Es gibt noch nicht einmal den Versuch zu erklären, warum er den Protagonisten ans Leder will. Und genau dadurch wird Hochspannung erzeugt und der Truck quasi zur Allegorie für die nackte Angst als solche. Immer wieder taucht er im Rückspiegel auf – bedrohlich und CO2 ausstoßend. Natürlich zerfällt der Plot aus realistischer Sicht relativ schnell zu Staub: Ein Auto (in dieser Zeit wurden amerikanische Autos mit 100 bis 400 PS gebaut) würde einen Truck auf jeden Fall sehr schnell abgehängt haben – aber wir sind hier im Kino und da sich Spielberg des Genres des subtilen Horrorfilms bedient, stellt sich dieser Realismusanspruch an den Zuschauer nicht. Rückblickend wirken die Verfolgsjagden auf den hollywoodübersättigten Blockbustergucker ein wenig hölzern und unspektakulär, gerade die Passagen, die ein wenig an der Zeitrafferschraube drehen, um die Verfolgung schneller aussehen zu lassen, als sie tatsächlich stattgefunden haben. Aber gerade das macht wiederum den Charme diese Films aus. Der junge Spielberg wollte einen spannenden Film machen, und dass ist ihm gelungen, auch noch 35 Jahre nach der Entstehung fiebert man als Zuschauer mit dem Protagonisten mit. Und wer von uns Autofahrern stand nicht schon einmal ein einem geschlossenen Bahnübergang und hat darüber nachgedacht was wäre wenn ich und mein Auto wohl einmal zwischen die geschlossenen Bahnschranken kommen würde… Gerade durch seinen Trashcharakter aus heutiger Sicht ein Muss für jeden Cineasten. Der Kameramann Jack A. Marta erhielt 1971 für Duell eine Emmy-Nomminierung und war zum Zeitpunkt des Drehs schon 68 Jahre alt und somit ein alter erfahrener Hase im Showgeschäft.

Trailerlink: http://youtube.com/watch?v=wTL8yq_jPKo

(af)

The Station Agent (USA 2003)

Juli 26, 2007 von Alex Fuchs

station-agent.jpgAuch Zwerge haben Freunde –

Tom McCarthys Hommage an die Freundschaft jenseits des Mainstream

The Station Agent wurde mit einem minimalen Budget von 500.000 Dollar von privaten Investoren in 20 Tagen auf Super 16 gedreht. Kameramann ist der Deutsche Oliver Bokelberg, der in Deutschland u.a. zwei Schimanski Filme fotografiert hat.

The Station Agent erzählt die Geschichte des Kleinwüchsigen Finbar, kurz Fin, der in einem kleinen Modeleisenbahnladen arbeitet, und mit seinen 1,30m oft dem Spot und der Ignoranz seiner Umwelt ausgesetzt ist. So machen sich die Kinder seiner Umgebung über ihn lustig und er wird auch schon mal im Supermarkt von der Kassiererin übersehen. Als eines Tages Fins Chef einen plötzlichen Herztod stirbt, erbt er von diesem ein stillgelegtes Bahnwärterhäuschen in Newfoundland, New Jersey, fernab vom Lärm der Stadt und fernab der Menschen, die ihn verspotten. Da er mit dem Tod des Chefs auch gleichzeitig seinen Job und seine Wohnung verloren hat, macht er sich kurzerhand auf den Weg sein Erbe anzutreten.

Und schon nach dieser kurzen Exposition ist klar, dass man es hier mit einem ganz besonderen Film zu tun hat. In ruhigen und klaren Bildern wird in wenigen Einstellungen die ganze Tragikkomik von Fin (Peter Dinklage, bekannt aus Living in Oblivion) klar. Die Kamera versucht die Würde des Kleinwüchsigen zu bewahren, indem sie immer auf seiner Augenhöhe ist und der Zuschauer dadurch ein Gefühl bekommt, was es heißt ein Zwerg unter Riesen zu sein. Wie im Märchen macht sich Fin mit seinem kleinen Koffer zu Fuß auf sein neues Heim zu finden – und folgt dabei immer den Eisenbahnschienen. Im Eisenbahnwärterhäuschen angekommen lernt er Joe (Bobby Cannavale) kennen, der einen Imbisswagen mitten im Niemandsland direkt vor Fins neuer Haustüre betreibt. Im Gegensatz zum stillen Fin ist Joe das, was man gemeinhin als Schwätzer bezeichnet. Bei der Suche nach einem Supermarkt wird Fin aus Unachtsamkeit und aufgrund seiner übersehbaren kleinen Statur fast von Olivia (Patricia Clarkson) angefahren. Obwohl die Drei ungleicher nicht sein könnten, schließen sie schließlich Freundschaft.

The Station Agent ist ein wunderbares modernes Märchen was von ungleichen Freunden und der Angst vor der eigenen Einsamkeit erzählt. Klar und ohne jede große Melodramatik wird der Weg dieser Freundschaft aufgezeigt – mit allen Höhen und Tiefen. Nicht zuletzt wird die ganze Stimmung durch die präzise und schnörkellose, dafür aber beeindruckende Kameraarbeit eines Oliver Bockelbergs unterstützt. Eine seltene Perle der Filmkunst und ein wunderbarer Film. Märchenhaft und sehr zu empfehlen für all jene, die von Rauch und Explosionen nicht so viel halten.


Trailerlink: http://youtube.com/watch?v=wuClpVNuB9w

(af)

Ring (USA 2002)

Juli 26, 2007 von Alex Fuchs

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Das Grauen aus der Glotze –

Gore Verbinskis amerikanische Antwort auf den japanischen Kulthorror

Es ist durchaus nichts Neues, das die Macher in Hollywood gelegentlich auf einen Stoff treffen, der nicht aus der Feder ihrer eigenen Autoren fließt. Bei Gefallen – und das heißt in der Regel: war der Film schon einmal im Erzeugerland erfolgreich - wird der Stoff kurzerhand gekauft, die Story aufs us-amerikanische Festland verlegt und mit namhaften us-amerikanischen Schauspielern sowie erfolgreichen Regisseuren besetzt. Einmal auf die Fährte gesetzt, beginnen sich die Räder in der Maschinerie der Traumfabrik zu drehen und am Ende steht das hochpolierte Plagiat eines im Original meist qualitativ anspruchsvollerem Films. Es gibt mittlerweile Hunderte, wenn nicht gar Tausende solcher Remakes, die gelinde gesagt, eigentlich kein Mensch braucht, noch nicht mal das us-amerikanische Publikum, für das sie produziert werden, doch der Glauben an die Leichtverdaulichkeit ihrer recycelten Kost scheint sich hartnäckig in den Köpfen der us-amerikanischen Produzenten eingebrannt zu haben. Das ausgezeichnete Filme in Hollywood meist zu minderwertiger Billigware degenerieren beweisen Filme wie Godards Á bout de souffle (1960), dessen Remake Breathless (1983) mit Richard Gere in der Hauptrolle auf gar keinen Fall an das französische Original herankommt. Auch neuere Bestrebungen, die (meist europäischen) Regisseure für ein Remake anzuwerben (siehe Ole Bornedal bei Nightwatch, 1994, und das gleichnamige Remake von 1998 oder das einstellungsgetreue Remake des Hitchcock Klassikers Psycho von Gus van Sant, ebenfalls aus dem Jahr 1998), führen meist nur zu unterbelichteten Kopien des Originals.

Um so mehr überrascht es, dass mit dem Remake des japanischen Spielfilms Ringu, des 1998 unter der Regie von Hideo Nakata entstandene Mystery-Thrillers um ein geheimnisvolles Videotape, durchaus als Remake überzeugt. Die Story ist simpel: es kursiert ein Videotape unter Collegestudenten, dessen Zuschauer sieben Tage nach der Sichtung dem Tod zum Opfer fallen. Die Tante eines der Opfer (eine großartige Naomi Watts) ist Jounalistin und hört bei der Beerdigung von den Freunden ihrer Nichte von dem Tape, dass in der Highschool kursiert. So macht sie sich also auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. Natürlich guckt auch sie den Film. Kurz darauf wird sie von einer mysteriösen weiblichen Krächzstimme angerufen die nur drei Worte sagt: „Noch sieben Tage“. Völlig perplex macht sie sich daran, dass Unheil abzuwenden. Ist die Story letztlich doch ein wenig hahnebüchen, aber plausibel und straff erzählt, ist der dramaturgishce Verlauf so perfekt, dass ich mich dabei ertappt habe, mit offenem Mund im Kino mit der Protagonistin mitzufiebern.

Doch so simpel sich der Plot von The Ring auch anhört, die Idee und das Drehbuch sind es auf gar keinen Fall. Verbinski und sein Drehbuchautor machen hier alles richtig: Unstimmigkeiten des Orginals und inhaltlich-kulturell weniger verständliche Passagen für einen westlich sozialisierten Zuschauer werden umgeschrieben oder gar weggelassen, dramaturgisch schwache Stellen werden ausgebessert um einen durchgängig spannenden Film zu machen und zu guter Letzt wird das ganze noch mit ein paar Hollywoodeffekten aufgehübscht – und wer auf ein Happy End hofft, dem möchte ich die Hoffnung nicht nehmen – aber bekanntlich gibt es ja mittlerweile ein schwaches amerikanisches Remake des zweiten Teils vom japanischen Regisseur des Originals. Doch zurück.

Die Macher von Ring haben nicht gescheut quasi Sequenzweise schamlos das Original zu kopieren – allerdings – und das ist der springende Punkt – haben sie es natürlich pompöser und technisch versierter gemacht. Die einen mögen es glatter machen nennen, die anderen sagen perfektioniert. Alles in allem kann man diesen Film nicht oft genug sehen. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden – und wer ein richtiger Filmgeek ist schaut sich sowieso beide Versionen an (und vielleicht noch das koreanische Remake, das es ja auch noch gibt) und bildet sich gefälligst selbst seine Meinung.


Trailerlink: http://youtube.com/watch?v=B5CvZGv8yNs

(af)

Lichtarten: Tageslicht vs. Kunstlicht

Juli 26, 2007 von Alex Fuchs

Voraussetzung für jede Filmbelichtung, sei es auf Filmmaterial oder Video, setzt das physikalische Vorhandensein von Licht voraus. Grundsätzlich lässt sich Licht in zwei Kategorien teilen: erstens das natürliche Sonnenlicht (daylight oder auch available light), also Tageslicht, und in künstlich erzeugtes Licht (tungsten light), also Kunstlicht. Tageslicht hat eine Farbtemperatur von 5600 Kelvin, Kunstlicht eine Farbtemperatur von 3200 Kelvin[1]. Die Filmmaterialien sind entweder auf Tageslicht oder Kunstlicht sensibilisiert, bei Video sensibilisiert man das Material über den Weißabgleich (white balancing). In einer Mischlichtsituation, d.h. wenn man Tageslicht und Kunstlicht miteinander mischt, erscheint das Tageslicht bei einer Kunstlichtsensibilisierung bläulich, bei einer Tageslichtsensibilisierung erscheint das Kunstlicht als rötlich oder orange. Man kann diesen blauen oder rötlichen Farbstich bewusst als ästhetisches Mittel einsetzen. Oft will man diese Fatbstiche aber nicht in Kauf nehmen, d.h. man muss die unterschiedlichen Farbtemperaturen durch speziell dafür entwickelte Konversionsfilterfolien anpassen. Will man eine Kunstlichtlampe an eine Tageslichtlampe anpassen, muss man eine CTB-Folie (Color Temperature Blue) benutzen. Will man eine Tageslichtlampe an eine Kunstlichtlampe anpassen benutzt man eine CTO-Folie (Color Temperature Orange). Diese Folien gibt es in den Stärken 1/8, 1/4, 1/2 und Full. Da der Lichtdurchlass bei CTO-Folien 58% gegenüber den CTB-Folien, die nur 36% Transmission besitzen, weitaus höher ist, schlucken CTO-Folien nicht so viel Licht, wie CTB-Folien. CTO-Folien schlucken bei 1/8 Stärke 1/3 Blende, bei ¼ Stärke auch 1/3 Blende, bei ½ Stärke ½ Blende und als Full 2/3 Blenden. Im Gegensatz dazu verliert man bei CTB-Folien als Full Stärke 1 2/3 Blenden.

Kunstlichtlampen gibt es als Einheiten von 20W, 50W, 100W, 250W, 300W, 500W, 800W, 1KW, 2KW, 5KW, 10KW, 20KW.

Tageslichtlampen gibt es als Einheiten von 200W, 575W, 1,2KW, 2,5KW, 4KW, 6KW, 8KW, 12KW, 18KW, 24KW. HMI-Lampen besitzen bei geringerer Leistung eine größere Lichtstärke, d.h. z.B. eine 575W HMI besitzt die Intensität einer 2 KW Kunstlichtlampe mit Tageslichtfilter, eine 1,2KW HMI besitzt die Intensität einer 5KW Kunstlichtlampe mit Tageslichtfilter und eine 2,5KW HMI besitzt die Intensität einer 10 KW Kunstlichtlampe mit Tageslichtfilter[2].

Natürlich besteht auch die Möglichkeit die Filterung direkt über die Kamera zu regulieren – für Tageslicht zu Kunstlicht gibt es einen 85er Filter, für Kunstlicht zu Tageslicht einen 80er Filter. Auf jedem Kamerafilm stehen in der Regel zwei Möglichkeiten für den Belichtungsindex (EI). Der Kamerafilm ist wie bereits erwähnt entweder für Tageslicht oder für Kustlicht sensibilisiert. Der KODAK VISION 800T Color Negative Film 5289 ist z.B. ein Kunstlichtfarbnegativfilm, der mit 800 ASA oder 30 DIN angeben ist. Will man ihn als Tageslichtfilm nutzen, muss man einen 85er Filter benutzen und dann entspricht er einem Tageslichtfilm mit 500 ASA oder 28 DIN Sensibilisierung.


[1] „Die Farbtemperatur wird über eine hohle und innen schwarze Kugel bestimmt. Diese Kugel wird erhitzt und beginnt mit steigender Erwärmung immer internsiver zu glühen. Die durch eine kleine Öffnung im Inneren zu beobachtende Lichtfarbe wird durch die in Kelvin gemessene Temperatur bestimmt, also ausgehend vom absoluten Nullpunkt bei ungefähr minus 273 Grad Celsius, was 0 Kelvin entspricht. Bei niedrigen Temperaturen gibt die schwarze Kugel natürlich überhaupt kein Licht ab; eine Farbtemperatur von 5000 Kelvin zum Beispiel bedeutet hingegen, dass das Licht eine Farbe hat, die die Kugel bein einer Temperatur von 5000 Kelvin abstrahlte.“ Aus: Dunker, Achim: „Die chinesische Sonne scheint immer von unten“. Licht- und Schattengestaltung im Film, München 1997, S. 31.

[2] Siehe: Gans, Thomas: Filmlicht. Handbuch der Beleuchtung im dramatischen Film, Aachen 1999, S. 62.

Farbkorrektur

Juli 25, 2007 von Alex Fuchs

Hier sind ein paar Beispiele dafür, was man durch eine Farbkorrektur noch alles rausholen kann. Demnächst ein bisschen ausführlicher.

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