![]()
Fast and Furious –
Und Spielberg rockt doch
Kurz zu den Fakten: Spielberg drehte seinen ersten Langfilm 1971 an nur 13 Tagen für den amerikanischen Fernsehsender ABC. Durch den großen Erfolg des Films kam der Streifen 1973 in Europa in die Kinos. Die Fernsehfassung, die ursprünglich 74 Minuten lang war, wurde mit Material aus einem zweitägigen Nachdreh zu einem echten 90 Minüter aufgestockt. So wurde der Film um das Telefonat mit der Ehefrau des Protagonisten, die Szene am Bahnübergang und die Begegnung mit dem Schulbus nachgedreht. Aber nun zum Film.
Auch Legenden haben einmal mit dem Backen von kleinen Brötchen angefangen oder – besser gesprochen – auch die Großen kochen nur mit Wasser. Der Auftakt zu Spielbergs Karriere ist genauso simpel wie er genial ist. Ein Mann ist auf der Rückreise zu seiner Familie. Seine Reise führt ihn durch einen wenig besiedelten Teil der Vereinigten Staaten. Im Niemandsland taucht plötzlich ein Truck auf, der den Protagonisten nach dem Überholen konsequent bis zum Showdown verfolgt. Eine alte Produzentenweisheit besagt, dass Filme, die man in wenigen Sätzen zusammenfassen kann, ohne deren Inhalt zu verstümmeln, ein Erfolg sein werden. Wie wahr.
Jetzt könnten sich einige Fragen: Und das soll spannend sein? 90 Minuten lang? Genau. Es ist 90 Minuten lang spannend. Und das durch einen Kunstgriff. Der Fahrer des Trucks und somit auch dessen Motivationen bleiben völlig im Dunkeln. Es gibt noch nicht einmal den Versuch zu erklären, warum er den Protagonisten ans Leder will. Und genau dadurch wird Hochspannung erzeugt und der Truck quasi zur Allegorie für die nackte Angst als solche. Immer wieder taucht er im Rückspiegel auf – bedrohlich und CO2 ausstoßend. Natürlich zerfällt der Plot aus realistischer Sicht relativ schnell zu Staub: Ein Auto (in dieser Zeit wurden amerikanische Autos mit 100 bis 400 PS gebaut) würde einen Truck auf jeden Fall sehr schnell abgehängt haben – aber wir sind hier im Kino und da sich Spielberg des Genres des subtilen Horrorfilms bedient, stellt sich dieser Realismusanspruch an den Zuschauer nicht. Rückblickend wirken die Verfolgsjagden auf den hollywoodübersättigten Blockbustergucker ein wenig hölzern und unspektakulär, gerade die Passagen, die ein wenig an der Zeitrafferschraube drehen, um die Verfolgung schneller aussehen zu lassen, als sie tatsächlich stattgefunden haben. Aber gerade das macht wiederum den Charme diese Films aus. Der junge Spielberg wollte einen spannenden Film machen, und dass ist ihm gelungen, auch noch 35 Jahre nach der Entstehung fiebert man als Zuschauer mit dem Protagonisten mit. Und wer von uns Autofahrern stand nicht schon einmal ein einem geschlossenen Bahnübergang und hat darüber nachgedacht was wäre wenn ich und mein Auto wohl einmal zwischen die geschlossenen Bahnschranken kommen würde… Gerade durch seinen Trashcharakter aus heutiger Sicht ein Muss für jeden Cineasten. Der Kameramann Jack A. Marta erhielt 1971 für Duell eine Emmy-Nomminierung und war zum Zeitpunkt des Drehs schon 68 Jahre alt und somit ein alter erfahrener Hase im Showgeschäft.
Trailerlink: http://youtube.com/watch?v=wTL8yq_jPKo
(af)


